Salzburg | Politik 

Gratis-Bus: Viele Experten raten ab

Sollen Bus und Bahn kostenlos sein? Diese Frage werfen die Grünen auf. Viele Experten sagen: Das Geld wäre anderswo besser investiert.

Von    /   

 Symbolbild: SN/Robert Ratzer



Altstadtsperre, Kapuzinerbergtunnel, Stadt-U-Bahn: Die Verkehrspolitik bewegt Salzburg wieder einmal wie wenig sonst. Nun bringen die Grünen ein neues Geschütz in der Schlacht der Argumente in Stellung: Bus, Regional- und S-Bahn sollten für alle Salzburger kostenlos sein, sagt LAbg. Cyriak Schwaighofer.

Dies wäre "die sinnvollste und am schnellsten wirksame Maßnahme zum Klimaschutz", sagt er. Und: Die Idee sei durchaus zu finanzieren. "Die Fahrpreise decken nur einen geringen Teil der Gesamtkosten." Einsparen könne man stattdessen im Straßenbau.

Die erste Frage, die sich stellt, lautet freilich: Was würde das kosten? Die Finanzierungsströme bei Bus und Bahn sind kompliziert - jedoch gibt es Schätzungen. 120 Millionen Euro koste der öffentliche Nahverkehr im gesamten Bundesland, schätzt Richard Kobler, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds. Grob die Hälfte davon komme über Ticketpreise herein. Beim StadtBus liege der direkte Beitrag der Fahrgäste bei rund 26 Mill. Euro pro Jahr.

"Wäre der Bus gratis, würden aber wohl mehr Kunden mitfahren. Ich vermute, der Mehrbedarf an Geld läge dann bei grob 35 Millionen Euro", sagt Kobler. Um diesen Betrag wieder hereinzubekommen, müsste die Stadt - zum Beispiel - die Müll- und Kanalgebühren verdoppeln.

Mehr Passagiere seien zwar schön, sagt Kobler. Jedoch zeigten Erfahrungen, dass diese vor allem zu Spitzenzeiten einstiegen - was zusätzlichen Bedarf an Bussen schaffe und die Rentabilität verringere.

In einem ist Kobler sich mit StadtBus-Chef Gunter Mackinger einig: "Was nichts kostet, ist auch nichts wert." Beide sähen es lieber, wenn zusätzliches Geld in den Ausbau des Angebots flösse - anstatt die Preise zu senken.

Was sagen andere Experten? Der Preis allein sei nicht entscheidend für den Umstieg auf Öffis, heißt es bei den Wiener Linien. Wichtiger sei die Qualität. Jedoch hat die rot-grüne Stadtregierung Wiens die Jahreskarte seit 1. Mai um 100 Euro billiger gemacht. Sie kostet nun 365 Euro.

Seither ist die Zahl der Jahreskartenbenützer erneut angestiegen. Aber: "Wenn das Streckennetz nicht stimmt, kann die Karte so billig sein wie sie will, dann wird niemand umsteigen", sagt Dominik Gries, Sprecher des Verkehrsbetriebs. In Wien würden heuer 475 Mill. Euro in neue Fahrzeuge, den Ausbau des Streckennetzes und den U-Bahn-Neubau investiert.

"Stimmen Preis und das Angebot, sind die Leute bereit, umzusteigen", sagt auch Aloisia Gurtner vom ÖAMTC Salzburg. Der Vision vom Gratisnahverkehr kann Gurtner viel abgewinnen. "Damit wären viele Probleme gelöst, vom Stau über die Parkplätze bis zur Belastung der Umwelt."

Gratis-Öffis sind auch international ein Thema: Tallinn ist unter den Hauptstädten der EU Vorreiter. Dort fahren Einheimische ab 2013 gratis. Woher die 20 Millionen Euro dafür kommen sollen, ist jedoch ungeklärt. Kleinere Städte bieten den Gratisbus schon seit mehr als zehn Jahren - etwa das belgische Hasselt.

Für Salzburg dürfte ein solches Projekt ohnehin Theorie bleiben. "Das kommt für mich nicht infrage", sagt Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ).

0

 

 
KOMMENTARE (0)